Mit einem reizempfindlichen Hund am Hundestrand

Wir waren mal wieder an der Ostsee und an unserem geliebten Hundestrand. An einem Hundestrand sind logischerweise viele Hunde und man hat viel zu beobachten 🙂 Ich möchte euch heute Tipps und Hinweise von uns mitgeben. Vor allem, wie man mit einem reizempfindlichen Hund – wie ein Hütehund – am Hundestrand umgehen kann.

So machen wir es: Ruhe – Spaß – Ruhe. 

Der Hund ist im Paradies am Hundestrand. Die Gerüche, das Wasser, die vielen Hunde – es gehen kaum mehr Reize auf einmal. Natürlich kann der Hund mit anderen Hunden am Strand rennen und Spaß haben, im Wasser schwimmen und Apportieren – aber bitte alles im Rahmen. Der Hund nimmt so viele Reize auf, das muss der Hund auch erst mal verarbeiten.

Der Hund möchte natürlich stundenlang schwimmen oder rennen und kann selbst nicht einschätzen, wann es zu viel ist. Daher müssen wir diese Verantwortung übernehmen und die Ruhephasen im Schatten „erzwingen“.

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Der Hund wird dies am Anfang richtig doof finden, da andere Hunde ja noch weiter spielen dürfen (ist übrigens bei Kindern ähnlich oder ;-)). Viele Hunde jammern Minuten lang oder bellen – und genau dann ist es eigentlich schon fast zu lange gewesen. Eine sehr häufige Reaktion von vielen Hundebesitzern ist dann: „der will noch mal ins Wasser apportieren“ oder „der ist ja immer noch nicht müde“…
Na klar gibt es was cooleres für den Hund als hinlegen – aber wenn ihr dies zu eurer Routine gemacht habt, gebt ihr eurem Hund mehr Ausgeglichenheit und Ruhe.

Vida und Bliss suchen auch nicht die Ruhe am Hundestrand von sich aus. Aber man merkt ganz deutlich, dass sie diese Ruhe dringend benötigen.

 

Überforderung

Meine Erfahrung am Hundestrand war gerade vor ein paar Tagen, dass die Hunde wirklich meterweit  ins Meer hinaus gelockt werden und apportieren sollen. Und dies nicht nur ein bis zweimal – nein über locker eine Stunde!

Der Hund hatte mehrmals Anzeichen gegeben, dass er nicht mehr schwimmen wollte, der Hundebesitzer hat diese Anzeichen leider nicht erkannt. Hunde reagieren auf Überforderung unterschiedlich. Vida reagiert beispielsweise mit plötzlichem wegrennen, Bliss ist im absoluten Tunnel und nicht mehr ansprechbar. Auf die verschiedenen Reaktionen will ich aber heute im Detail nicht eingehen, da müsst ihr euren Hund selber mal beobachten und das Verhalten einordnen.

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Überforderung ist nichts anderes als Stress. Am Hundestrand ist der Hund sowieso schon mehreren Stressoren ausgesetzt, da sollte man die gut gemeinte Auslastung nicht übertreiben.

Hier ein paar typische Stressoren (Stressfaktoren):

  • Duftstoffe jeglicher Art
  • Körperliche Stressoren
    • Hitze
    • Lärm
  • Psychische Stressoren
    • Überforderung
  • Soziale Stressoren
    • Wohnungswechsel
  • Behinderung der Bewegungsfreiheit
  • Enge
  • Ggf. anderes Futter

Und das sind wahrscheinlich nur ein paar Punkte von noch mehr Stressoren. Also, der Hund hat sowieso schon genug zu verarbeiten ohne an den Hundestrand gegangen zu sein.

Bitte nicht falsch verstehen. Dem Hund Auslauf zu bieten und zu spielen stärkt nicht nur die Bindung, sondern auch die Auslastung und den Stressabbau. Aber alles wie gesagt im Ausgleich. Der Hund brauch sehr viel Ruhezeiten.

Letztendlich macht man sich und dem Hund damit keinen Gefallen, wenn man es übertreibt. Es kann schließlich auch auf die Gesundheit gehen.

Wenn der Strand zur Sucht wird 

Auf die Gesundheit gehe ich gleich ein, aber zuerst möchte ich noch auf einen wichtigen Punkt eingehen. Bliss ist ein sehr reizempfindlicher Hund und neigt schnell zu „Suchtverhalten“. Der absolute Kick für Bliss ist rennen und etwas hinterher jagen. Egal was, und am besten noch im Wasser. Sie liebt es und ist einer der Hunde, die das den ganzen Tag machen können – ein Ende würde sie von alleine niemals setzen. Dies aber auch, weil sie es selbst gar nicht mehr einschätzen kann.

Bliss hat auf jeden Fall schon eine kleine Sucht nach dem Strand und Meer entwickelt. Ich werfe ihr ab und zu auch gerne mal ein Spielzeug ins Wasser und sie hat riesig Spaß dabei diesem hinterher zu Springen. Da ich weiß, dass Bliss eine Tendenz zur Sucht hat, halte ich das Werfen auf höchsten 4 bis 5 Mal begrenzt. Dann gibt es wieder eine lange Ruhephase. Sie würde locker 100 Mal dem Spielzeug hinterher jagen und Stundenlang Schwimmen. Nur am Ende des Tages kann es halt auch auf die Gesundheit gehen. Und da ist Überforderung und somit die Anspannung und Stress nur ein Punkt davon.

Hundestrand mit Hund

Körperliche gesundheitliche Folgen:

Es gibt sicherlich eine ganze Reihe von Verletzungen, die sich ein Hund am Hundestrand zuführen kann. Hier ein paar Beispiele.

  • Weibchen können von langem Wasseraufenthalt eine Blasenentzündung bekommen.
  • Hunde – egal welche Rasse – können bei zu langem Schwimmen und zu anstrengendem Schwimmen eine schmerzhafte Wasserrute bekommen. Besonders häufig betroffen sind größere Hunde, vor allem Retriever oder Setter. Rüden erkranken häufiger als Hündinnen.
  • Salzwasser kann auf den Magen schlagen 
  • Krallen oder Pfotenverletzung 
  • Augenverletzung durch den Sand 
  • Hitzschlag (Ich verlinke euch mal meine Erste Hilfe Tipps)
  • Stress und Überforderung kann sich auf verschiedene Reaktionen auswirken, die scheinbar nichts mit dem Hundestrand zu tun haben. Beispielsweise die Reaktion auf andere Reize wie Hunde beim Abendspaziergang oder Geräusche.
  • ….

 

Fazit:

Ich möchte euch auf jeden Fall empfehlen mit dem Hund mal an einen Hundestrand zu gehen. Es gibt fast nichts schöneres als so einen Urlaub mit einem Hund zu verbringen. Doch sollte man den „Spaß“ im Rahmen halten, wenn man einen reizempfindlichen Hund hat. Ruhephasen fest integrieren und den Hund „zwingen“ wenn nötig.

 

Liebe Grüße
Tine, Bliss & Vida

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©DogSoulmate Christine Roth

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