Bevor ein Hund auf trainiert, tierärztlich behandelt oder generell in seinem Verhalten korrigiert wird, sollte eine umfassende Anamnese durchgeführt werden. Sie hilft, ein genaues Bild des Hundes zu bekommen – sowohl in Bezug auf seine Gesundheit als auch auf seine Persönlichkeit. Denn nur wer die Ursache eines Problems kennt, kann es gezielt und nachhaltig lösen.
Jeder Hund ist einzigartig
Hunde bringen eine individuelle Vorgeschichte mit – geprägt durch Genetik, Erfahrungen und Umwelt. Manche Hunde sind von Natur aus resilient und selbstbewusst, während andere sensibler oder ängstlicher sind. Wenn ein Hund unsicher oder aggressiv auf bestimmte Situationen reagiert, kann das viele Ursachen haben:
• Frühere negative Erfahrungen (z. B. Traumata oder Vernachlässigung)
• Fehlende Sozialisierung in der wichtigen Prägephase
• Gesundheitliche Probleme wie Schmerzen oder neurologische Störungen
Ohne eine detaillierte Anamnese besteht die Gefahr, falsche Trainingsmethoden zu wählen, die das Problem nicht lösen – oder es sogar verschlimmern.
Den Charakter des Hundes verstehen
Neben körperlichen und umweltbedingten Einflüssen spielt auch der Charakter des Hundes eine große Rolle. Jeder Hund hat individuelle Wesenszüge, die das Training und den Umgang mit ihm beeinflussen. Eine interessante Möglichkeit für mich persönlich ist den Charakter eines Hundes besser zu verstehen, durch die Einteilung nach den Prinzipien des Ayurveda.
Im Ayurveda werden Lebewesen in drei Haupttypen eingeteilt:
• Vata-Typ (luftig, beweglich, sensibel)
• Diese Hunde sind oft sehr energiegeladen, leicht nervös und reagieren empfindlich auf Stress oder Veränderungen.
• Sie brauchen viel Sicherheit, klare Routinen und ruhige, geduldige Trainingsmethoden.
• Pitta-Typ (feurig, zielstrebig, leistungsfähig)
• Pitta-Hunde sind oft sehr ehrgeizig, lernwillig und manchmal dominant.
• Sie brauchen eine klare Führung und gezielte mentale Herausforderungen, um ausgelastet zu sein.
• Kapha-Typ (erdig, ruhig, gemütlich)
• Diese Hunde sind meist entspannt, ruhig und nicht leicht aus der Fassung zu bringen.
• Sie brauchen oft mehr Motivation und Anreize im Training, um aktiv zu bleiben.
Durch eine gründliche Anamnese lässt sich erkennen, welchem Typ ein Hund am ehesten entspricht. So kann das Training gezielt an seinen Charakter angepasst werden, um ihn weder zu unterfordern noch zu überfordern.
Gesundheitliche Ursachen erkennen
Ein Hund, der sich plötzlich aggressiv oder gereizt verhält, könnte schlichtweg Schmerzen haben. Chronische Erkrankungen, Zahnprobleme oder Gelenkbeschwerden können das Verhalten stark beeinflussen. Wird das übersehen, können Trainingsmaßnahmen ins Leere laufen oder dem Hund zusätzlichen Stress bereiten.
Individuelle Trainingsstrategien entwickeln
Nicht jeder Hund reagiert auf dieselben Methoden gleich. Ein sensibler Hund braucht eine andere Herangehensweise als ein dominanter, selbstbewusster Hund. Auch die Umwelt spielt eine große Rolle: Manche Hunde sind besonders lärmempfindlich oder gestresst durch neue Situationen. Ohne eine gründliche Anamnese könnten unpassende Trainingsmethoden den Stress des Hundes verstärken, anstatt ihn zu stärken.
Verhalten nicht nur oberflächlich bewerten
Es ist problematisch, ein Verhalten nur nach seinem äußeren Erscheinungsbild zu beurteilen, ohne die eigentliche Ursache zu hinterfragen. Das lässt sich gut mit anderen Beispielen vergleichen:
Wer Kopfschmerzen hat, kann Schmerzmittel nehmen – aber wenn die Ursache Bluthochdruck oder eine neurologische Erkrankung ist, löst das nicht das Problem.
Oder ein Fußballspieler mit schlechter Leistung könnte ausgewechselt oder kritisiert werden. Doch wenn eine Verletzung oder mentale Belastung dahintersteckt, hilft das nicht weiter.
Beim Hund ist es ähnlich: Wer Angst oder Aggression nur unterdrückt, statt die Ursache zu behandeln, riskiert, dass das Problem später auf andere Weise wieder auftaucht.
Fazit
Eine fundierte Anamnese ist die Grundlage für jede erfolgreiche Verhaltensänderung und für ein gezieltes, hundgerechtes Training. Sie hilft, den Hund wirklich zu verstehen, gesundheitliche Faktoren auszuschließen und eine nachhaltige Strategie zu entwickeln. Neben körperlichen Aspekten sollte auch der Charakter des Hundes analysiert werden – etwa anhand ayurvedischer Prinzipien –, um ihn individuell zu fördern. Nur so kann ein Hund seine mentale Stärke entfalten – ohne zusätzlichen Stress oder Druck.
Liebe Grüße
Tine von DogSoulmate!
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