Australian Shepherd und Border Collie – der „Vergleich“ ohne Wissenschaft

Schon seit ein paar Tagen schreibe ich an diesem spannenden Blogpost. Jetzt bin ich echt glücklich darüber, dass dieser Beitrag endlich fertig geworden ist! Aber worum geht´s überhaupt? Ich habe mich mit dem Thema „das ist typisch Aussie, das ist typisch Border“ auseinander gesetzt. Dies aber nicht auf Basis von wissenschaftlichen „Quatsch“, sondern ich habe mit Euch als „Besitzer dieser Rassen im Alltag“ gesprochen und Eure Erfahrungen aufgenommen. Ob sich wohl die Vorurteile bestätigt haben? Das Ergebnis könnt ihr nun nachlesen 🙂 

Ob Border Collie oder Australian Shepherd – ist doch alles das gleiche!

img_2397Sagen wir mal so, für Außenstehende ist auf den ersten Blick kaum ein Unterschied zu erkennen. Tendenziell werden Border-Besitzer angesprochen: „Aw, das ist aber ein schöner Australian Shepherd“ und Aussie-Besitzer genau anderes herum. Sind sie sich aber wirklich so ähnlich?

Das Aussehen
Also schauen wir uns zunächst einmal das Aussehen genauer an 🙂 Dazu habe ich  meine beiden Models, links eine gute Border Collie Freundin von Bliss und rechts natürlich Bliss, als spitzen Vertreterin der Aussies, nebeneinander gelegt.

 

Merkmale auf den ersten Blick:

  • Die Ohren
    Häufig erkennt man einen Border an den spitzen Steh-Ohren (links im Bild gut zu sehen), der Aussie hat die Ohren eher nach unten geklappt. Stehohren und Hängeohren sind beim Australian Shepherd nicht nach der Zuchtrichtlinie.
  • Das Fell
    Ganz typisch beim Aussie ist der prall gefüllte Hintern, die sogenannten „Hosen“. Der Aussie hat recht dickes und eher welliges Fell. Der Border hat tendenziell glattes und nicht so aufgepufftes Fell wie der Aussie.
  • Die Farben
    Beim Thema Farben sind beide bunt gemischt und lassen sich da ganz viel in der Farbgebung einfallen. Daher kann man hier keine klare Linie ziehen. Und genau das ist auch ein Punkt, den ich besonders bei den Rassen mag. Sie sind alle individuell.
  • Körperbau
    Der Körperbau ist bei den beiden auch recht unterschiedlich. Die Aussies sind etwas stämmiger und etwas größer. Die Borders sind schmaler und zierlicher gebaut. Tendenziell auch etwas kleiner als die Aussies, aber das kommt ganz drauf an.

Also halten wir fest. Beim Aussehen gibt es auf den zweiten Blick einige Unterschiede zu sehen 🙂img_2484

Typisch! Das machen die immer!

Es ist immer wieder schön sich mit Hundehaltern auszutauschen. Natürlich ist der eigene Vierbeiner der schönste und einzigartigste der Welt – keine Frage – aber sind verschiedene Verhaltensweisen tatsächlich „typisch Aussie“ oder „typisch Border“? Dazu habe ich eine Umfrage in Facebook gestartet und habe ein paar lustige Antworten bekommen 🙂

Borders sind Rassisten und können nur die eigene Rasse leiden.

Diese Aussage fand ich besonders lustig. Border Collies mögen nur die eigene Rasse und die anderen sind wie Luft… Mhm, das habe ich tatsächlich auch schon häufig von Aussie-Besitzern gehört. Bliss ist da ganz anders. Sie liebt jeden Hund und möchte mit jedem spielen. Wenn der andere kein Interesse zeigt, rennt sie schnell weiter zum nächsten Abenteuer. Aussies und Borders sind aber tatsächlich tendenziell eher reserviert, was andere Rassen angeht. Dies kam in der Umfrage schon deutlich raus.

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Typisch Aussie ist meiner Meinung nach die selbstständige Entscheidungsfindung. Der Aussie denkt sich nach zwei mal links Bogen laufen „ey, ist die doof? Rechts rum/Mitte geht schneller! Mach ich jetzt einfach mal.“ Wohingegen der Border das befolgt was er auf bekommt. So habe ich das beobachtet.

Bei dieser Aussage musste ich wirklich lachen, da ich genau das auch schon ganz oft selbst bei Bliss erlebt habe und auch bei ihrer Freundin, der Border Hündin, so wahnsinnig beeindruckend finde. Und daraufhin habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich immer den schweren Weg wählen muss …

Was mir bei einer Bekannten sehr auffällt, sie hat eine Aussie Hündin, die hat Power ohne Ende! Also, egal wie weit etwas weg ist, sie rennt dort hin und kommt mit derselben Power irgendwann wieder zurück. Wobei sich mein Border lange denkt – ne, ist mir zu weit weg. Er steht dann immer da und beobachtet sie. Nachrennen? Niemals, kostet zu viel Energie, die er wo anders gebrauchen könnte.

Ja, auch dieser Aussage kann ich zustimmen! Bliss rennt im Wald hoch und runter, rechts und links, durch die Büsche, durch das Wasser. Wenn ich 5 km laufe, läuft sie locker 10 km. Die Border-Hündin ist da ganz anders. Ja nicht nass oder dreckig werden. Nicht zu viel rennen, sondern nur, wenn es wirklich nötig ist. Nach einem gemeinsamen Spaziergang ist der Unterschied immer schön zu erkennen. Bliss sieht aus wie einmal durch den Matsch gezogen, ein paar Kletten noch irgendwo im Fell und die Zunge bis auf dem Boden. Die Border-Hündin sitzt daneben und schaut genau so aus wie vor dem Spaziergang…

Ich habe auch oft gehört, dass bei dem Hüten ein klarer Unterschied zu erkennen ist. Borders hüten mit mehr Distanz und sehr viel Auge, tief geduckt und fixierend. Aussies arbeiten gerne auch näher, zeigen wenig Auge, arbeiten eher aufrecht und keinesfalls „schleichend“.

Diese Verhaltensweise liegt tatsächlich vor. Aussies sind stämmiger gebaut und tendenziell eine sehr laute Rasse. Das liegt daran, dass sie zum Hüten von Großvieh gezüchtet wurden. Sie sollten Tiere wie Kühe hüten und da muss man schon Eindruck hinterlassen, dass die sich auch bewegen. Bei den Borders ist das so, dass sie eher für Kleinvieh wie Schafe zuständig waren. Ein Aussie könnte mit dem Hüteverhalten Schafe schneller verletzen, daher hüten Borders viel mit Blicken die aber auch deutliche Reaktionen bei dem Kleinvieh auslöst. Ein Zitat war auch noch zu dem Thema: „Der Border ist ein Hütehund, der Aussie ist ein Arbeitshund mit Hütetrieb.“

Typisch für Aussies ist das „Aussie-Grinsen“

Das war auch eine interessante Erkenntnis. Ich dachte von Erzählungen immer, dass es DAS typische Verhalten für die Rasse schlecht hin ist: Das Aussie-Grinsen. Aber ich wurde mal wieder eines besseren belehrt. Mir ist bewusst, dass das Zähne zeigen nicht immer eine Drohgeste ist. Bliss zeigt mir die Zähne, wenn sie sich besonders freut. Dieses Verhalten kann man in diesem Fall als „Beschwichtigung“ sehen. Soviel dazu, aber in der Umfrage haben mir dann Border-Besitzer gesagt, dass deren Hunde das auch machen. Und sogar bekannt ist, dass auch andere Rassen das machen. Also auch wieder kein absolutes Alleinstellungsmerkmal herausgefunden…

 

Kurzum mein Fazit:

Zusammenfassend kann man sagen, dass die beiden Rassen nicht vergleichbar sind. Es ist img_2399-1vieles absolut davon abhängig, wie der Charakterzug des Hundes ist. Wie er aufgewachsen ist, wie er gefördert wurde in seinen Talenten und letzten Endes, welche Verhaltensweisen man korrigiert oder fördert.

Ich glaube man kann sagen, dass der Border eher feinfühliger und ruhiger ist und der Aussie, der grobe Draufgänger mit lauter Stimme und eigenem Kopf. Alles andere ist wie oben beschrieben absolut abhängig vom Umfeld und dem Charakter an sich. Ein typisches Verhalten heißt ja auch nur, dass es bei vielen Hunden der gleichen Rasse auftritt, aber nicht bei jedem Exemplar 😉 Aber was ich auf jeden Fall sagen kann ist, egal, welche von den beiden Rassen es auch sein mag, beide sind ganz wundervolle und liebevolle Wesen, die man einmal kennenlernt und für immer ins Herz schließt!

Danke an alle, die bei der Umfrage in Facebook der mitgemacht haben! Und denkt bitte bei diesem Blogbeitrag daran, dass es nur ein kleiner Ausschnitt von der großen Vielfalt dieser beiden Rassen ist. Es soll keine wissenschaftliche Belegung oder Beschreibung sein, sondern nur ein Abriss der Erfahrungen von Besitzern dieser Rassen!

Viele Grüße

Tine & Bliss

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©DogSoulmate Christine Roth

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7 thoughts on “Australian Shepherd und Border Collie – der „Vergleich“ ohne Wissenschaft

  1. … und erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt ?
    Schöner Artikel ? ich hab beides hier Zu Hause sitzen, Aussie, Border u d ein Mix aus beidem. Vieles kann ich bestätigen, einiges isr anders. Es ist wie es ist.
    Danke fürs recherchieren, ich finde das wirklich spannend.

    Liebe Grüße,
    Nicole

  2. Habe eine Border- Aussi Mix Hündin. Sie ist mein ein und alles. Schöner Artikel übrigens- Danke. Habe letztens was nettes über über den gehorsam von Aussis gelesen, das ist meine Hündin live: “ Der Aussi erbittet sich bisweilen eine kurze Bedenkzeit, um abwägen zu können, ob ein Kommando der Situation angemessen ist. Kommt er zum gegenteiligen Schluss, fragt er höflich, ob sein Mensch die Idee überdenken möchte. Manchmal unterbreitet er auch einen Gegenvorschlag. Man darf kein Erbsenzähler sein und muss dem Hund Freiraum für eigene Interpretationen lassen“ Und tatsächlich sind ihre „Ideen“ manchmal besser als meine. 🙂

    Gruß Stefan und Quill

  3. Ausnahmen bestätigen die Regel… sagt mein Frauchen.

    Gerade was was das Aussehen betrifft hat sie schon einige Border Collies für Australian Shepherds gehalten und umgekehrt (wo sie doch nach all den Jahren dachte, dass sie nun endlich beide voneinander unterscheiden könnte). Gerade die Besitzer denken oft, dass es gerade diese Ohren-, Kopf- oder Augenform und Fellfarbe bei der jeweils anderen Rasse nicht gibt und werden dann in Natura vollkommen überrascht. Damals gab es eine Besitzerin einer Australien Shepherd Hündin die immer von den typischen „Dreieckohren“ gesprochen hatte… Frauchen dachte immer Aussies hätten alle breitere Köpfe und würden mehr wie „Teddys“ aussehen. Über die Jahre hat man dann „alles“ bei beiden Rassen gesehen.

  4. Ich habe mittlerweile den 4. Border Collie (alles unkastrierte Rüden) und kann sagen, dass die Charaktere innerhalb der Rasse sehr unterschiedlich sind. Aber folgende Tendenzen kann ich erkennen:

    3 von 4 arbeiten sich tot, wenn ich die Arbeit nicht unterbinden würde. Und das kann man wörtlich nehmen, bis zum Torkeln und Kreislaufzusammenbruch. Daher keine Zustimmung was die Arbeitsbereitschafft betrifft.

    4 von 4 haben im „Arbeitsmodus“ einen extrem hohen will to please und machen exakt das was ich ansage. Der „freie Geist“ kommt erst außerhalb der Arbeit wieder. Hier eine voll Zustimmung zu den eigenen Entscheidungen.

    2 von 2 bauen sehr hohe Distanzen (100m) auf, wenn man sie lässt und wenn sie im Trieb hochgefahren sind. Das macht sie vollkommen ungeeignet für Agility. Interessanterweise sind die beiden jedoch echte Obedience-Freaks.

    2 von 2 haben Probleme mit fremden Rüden (einer aggressiv). Auch hier wieder interessanterweise die beiden, die sehr hohe Distanzen aufbauen. Die anderen beiden sind verspielte Harlekine und tendenziell unterwürfig.

    4 von 4 mussten lernen zu chillen und dass es nicht rund um die Uhr ein Programm gibt. Aber ich glaube das trifft auf alle Border und alle triebigen Hunderassen zu.

  5. Hallo, ich habe die zweite Border-Hündin und viele Aussie-Bekannte. Meine beiden Border-Hündinnen sind/waren ruhig, keine Kläffer. Aussies habe ich als mitteilsamer kennen gelernt. Meine erste Border-Hündin war sehr leicht zu führen, wobei kurze Leine beide nicht sehr mochten/mögen. Nr. 1 war bei Spaziergängen immer um uns rum, mal kurz davor, mal dahinter. Als junger Hund versuchte sie zu jagen. Das konnte ich ihr aber schnell abgewöhnen. Danach brauchte ich keine Leine mehr im Wald. Sie zeigte Wild, jagte es aber nicht mehr, bzw. blieb auf Abruf sofort stehen. Meine zweite Hündin ist immer voraus, im Wald mindestens an der Schleppleine, weil sie schon mehrmals jagte und sich das bisher nicht abgewöhnen ließ. Sie „fragt“ bei Kommandos oft nach, ob sie das auch wirklich machen soll… Nr. 1 lief Agility und gerade weil sie auf Distanz auf Befehle reagierte, funktionierte das sehr gut. Ich musste deshalb viel weniger laufen. Nr. 2 wird als Mantrailer trainiert. Das kommt ihrem Vorwärtsdrang entgegen und sie hat eine Gelegenheit ihren Jagdtrieb auf gewisse Art auszuleben. Beide Hunde wären workaholics geworden, wenn ich sie nicht daran gewöhnt hätte, dass sie Ruhe geben sollen. Es scheint eh in der Allgemeinheit die Meinung vorzuherrschen, dass Border Collies sehr viel laufen und arbeiten müssen und wollen. Wenn man sich aber mal überlegt, was die Hunde bei einem Schäfer machen müssen, müsste klar sein, dass das so nicht stimmt. Schafe werden ja nicht den ganzen Tag getrieben. Die Herde wird mal von einem Weidegrund zum nächsten getrieben, oder es werden mal ein paar Schafe aussortiert, aber das ist ja nicht dauernd der Fall. Und im Winter sind die Schafe je nach Wetterlage sogar im Stall. Da hat der Hund nichts zu tun und darf auch nicht durchdrehen. Die Hunde brauchen eine Aufgabe, die ihr Hirn fordert. Einmal am Tag um den Block und täglich den gleichen Weg und sonst nichts, das ist natürlich zu wenig. Da wird sich der Border eine andere Beschäftigung suchen, die wir vielleicht nicht so toll finden 🙂 . Ich habe jedenfalls zwei sehr unterschiedliche Border erlebt (auch vom Aussehen) und behaupte mal, dass man dem Aussie anmerkt, dass seine Vorfahren wohl Hütehunde waren, die auch die heutigen Border als Vorfahren hatten.
    Beide Border spielten/vertrugen sich mit unterschiedlichen Rassen, wobei es mit Australian Shepherds und anderen Hütehunden (vor allem Briten) besonders gut klappte, wenn diese verträglich waren. Nr.1 hat sich, wenn sie angegriffen wurde, unterworfen. Nr. 2 geht zum Gegenangriff über. Es ist also – meiner Meinung nach – Charaktersache, wie ein Border reagiert. Es gibt da auch extreme Kläffer, aber wie schon geschrieben, meine beiden Mädels bellten fast nie, Nr.2 noch weniger als Nr.1
    Nr.1 wäre super für Obedience gewesen, sehr aufmerksam bei der Unterordnung. Nr.2 war das sehr schnell langweilig und sie begann den Trainingsplatz nach verlorenen Leckerchen abzusuchen (meisten erfolgreich). Deshalb ist das Mantrailen für sie die ideale Beschäftigung und sie macht das mit sehr viel Eifer und Erfolg, obwohl sie bei Test mit Hindernissen aus dem Agility-Parcour auch gute Ansätze zeigte.

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