Wie nötig ist eine Physiotherapie für Hunde?

Heute dreht sich bei uns alles um das Thema Tierphysiotherapie für Hunde. Nachdem ich euch bei der Behandlung von Bliss auf Instagram mitgenommen habe, kamen viele Fragen von euch bei mir an. Diese möchte ich heute in einem neuen Blogbeitrag aufgreifen. Dazu habe ich unsere Tierphysiotherapeutin interviewt, um all eure Fragen kurz zu beantworten. Das Thema ist super spannend und vielleicht auch wichtig für eure Hunde.
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Warum wurde Bliss behandelt?

Zunächst möchte ich darauf eingehen, warum ich für Bliss einen Behandlungstermin ausgemacht habe. Ich habe bei Bliss eine starke Veränderung im Gangbild festgestellt. Zudem hat sie aus dem Nichts immer wieder ruckartig am Rücken geknabbert oder an der Hüfte. Wenn ich am Rücken die Haut etwas geknetet habe, hat sie an einer bestimmten Stelle ihren Kopf Richtung Hand gedreht. Mein Bauchgefühl hat mir gesagt, dass sie Schmerzen hat oder sie etwas blockiert.
Ich wollte das Thema abklären lassen, aber nicht direkt zum Tierarzt gehen.
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Eure Fragen konnte ich direkt an  Tina Löffler von agilavet Tierphysiotherapie und -naturheilkunde www.agilavet.de stellen. Vielen Dank Tina, dass du dir noch mal Zeit für uns genommen hast und folgende Fragen beantwortest:

Warum sollte man mit seinem Hund zur Physiotherapie gehen?

Tina: Was für den Mensch gut ist, hilft auch dem Hund! 😉 Ziel der Physiotherapie, sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin, ist die Erhaltung, Verbesserung und/oder Wiederherstellung der Bewegungs- und Funktionsfähigkeit. Die Gründe sind für Mensch und Tier also identisch.
Jeder Hund kann grundsätzlich von einer Wellnessmassage und einem regelmäßigen Check up profitieren, damit aus kleinen Wehwehchen gar nicht erst große Probleme erwachsen.
Aber gerade für Hunde, die -aus welchen Gründen auch immer- in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, eine chronische Erkrankung des Bewegungsapparates haben, eine OP (z. B. Kreuzbandriss) hinter sich haben und ihre Beweglichkeit und Muskulatur wiedererlangen sollen, für Sporthunde, Diensthunde, alte Hunde und und und ist Physiotherapie in jedem Fall sinnvoll und eine wertvolle Unterstützung, begleitend zu einer Behandlung durch den Tierarzt.
Physiotherapie kann Schmerzen lindern, verspannte Muskulatur lockern, die Beweglichkeit verbessern und somit die Heilung fördern. Viele gute Gründe also, mit seinem Hund zur Physiotherapie zu gehen.

Woran erkenne ich, dass mein Hund eine Behandlung benötigt?

Tina: Unsere Hunde sind meisterhaft im Vertuschen von Schmerzen, deshalb sollte man immer ganz genau hinschauen, wenn der Hund beispielsweise

  • auf einmal außergewöhnlich viel schläft,
  • insgesamt ruhiger ist als sonst,
  • nicht mehr gerne läuft,
  • oder spielt,
  • sich sein Gangbild verändert z. B.
  • wenn er im Galopp wie ein Kaninchen hoppelt,
  • einen enormen Hüftschwung entwickelt,
  • kleine Tippelschritte macht,
  • oder wie ein Kamel (im Passgang) läuft,
  • er bestimmte Gangarten vermeidet,
  • sich immer wieder bestimmte Körperstellen benagt oder beleckt,
  • an manchen Körperstellen berührungsempfindlich ist,
  • ungleichmäßig abgelaufene Krallen hat,
  • sich die Muskulatur verändert,
  • oder er vermehrt -ohne erkennbaren Grund- hechelt und leise stöhnt.

All das und noch vieles mehr können Zeichen für Schmerzen und damit ein Indikator sein, seinen Hund einem Tierarzt oder Physiotherapeuten vorzustellen.

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Was behandelst Du sehr häufig?

Tina: Mein Herz schlägt ganz besonders für alte Hunde. Gerade bei unseren Hundesenioren zwickt häufig die Arthrose oder Spondylosen oder sie leiden unter einem Cauda Equina Compressions-Syndrom. Viele, nicht nur ältere, Hunde zeigen Hüftproblematiken. Häufig begleite ich Hunde nach einer OP, um ihnen zu ihrer alten Beweglichkeit zurückzuhelfen. Das sind nur ein paar Beispiele – die Bandbreite in meiner Praxis groß.
 

Hundeblog_AustralianShepherd_Tierphysio__Wie lange geht eine Behandlung?

Tina: Mein oberstes Gebot ist, dass die komplette Behandlung in erster Linie stressfrei und wohltuend für den Hund sein soll. Deshalb lasse ich mir viel Zeit. Der Ersttermin dauert i. d. R. zwischen 70 und 90 Minuten. Dazu gehört eine ausführliche Befundaufnahme, eine Gangbildanalyse und eine Erstbehandlung. Wenn weitere Behandlungseinheiten erforderlich sind, dauern diese i. d. R. ca. 30 – 45 Minuten.

Was ist besonders belastend für einen Hund?

Meine Frage zielt darauf ein, was ich als Hundebesitzer als Vorsorge machen kann, bzw. worauf ich im Alltag achten sollte.
Tina: Übergewicht, Unpassendes Equipment, Fehlbelastungen, Fehlstellungen aber auch Rangeleien/ Beißereien mit anderen Hunden. Letzteres wird häufig unterschätzt – gerade wenn man keine offensichtlichen Wunden sieht. Nimmt ein Hund länger eine Schonhaltung ein, wirkt sich das immer belastend/ überlastend auf andere Strukturen aus.

Vielen Dank Tina! Das gibt uns einen tollen ersten Einblick.

 

Tina: Zum Schluss noch ganz wichtig: Die Tierphysiotherapie kann wirklich großartige Erfolge erzielen, aber sie ersetzt keinesfalls den Tierarzt! Sie bildet aber eine sinnvolle Ergänzung zur tierärztlichen Behandlung. Ich arbeite deshalb sehr gerne mit Tierärzten zusammen, denn zusammen geht mehr. 😉
Vielen lieben Dank und bis zur nächsten Behandlung <3
Tine & Bliss

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