Welpenschule – Tipps und Besonderheiten

Bei Bliss ist es ja schon wieder etwas her, dass wir in der Welpenschule waren. Bei Vida machen wir nun aufs neue Erfahrungen mit anderen Welpen, anderen Hundebesitzern und Hundeschulen. Im heutigen Blogbeitrag habe ich euch mal meine Erfahrungen, Tipps und Erkenntnisse zusammengeschrieben.

Die verschiedenen Hundebesitzer und ihre Erwartungen

In einer Welpenstunde trifft man auf viele verschiedene Menschen und deren Hunde. Ich finde es dann immer wieder spannend, mit welchem Antrieb die Menschen in diese Stunde kommen. Das habe ich mal zum Anlass genommen und verschiedene „Typen“ kurz für mich einsortiert:

  • Der „Ich gehe davon aus, dass mir die Hundeerziehung abgenommen wird“-Typ 
  • Der „Ich will von Anfang an alles richtig machen“-Typ
  • Der „Ich möchte das Verhalten meines Hundes verstehen und deuten können“-Typ
  • Der „Ich brauche Tipps und jemanden der meine spezifischen Fragen beantwortet“-Typ
  • (wahrscheinlich eher ein kleinerer Teil der Gesellschaft)
  • Der „Ich möchte, dass mir jemand bei meinen spezifischen Problemen hilft“-Typ
  • Und zu guter letzt „Ich möchte, dass mein Hund sich mit allen anderen Hunden versteht“-Typ 

Also man merkt schnell, dass in einer Welpenstunde viele verschiedene Erwartungen aufeinandertreffen. Meine Erwartungen sind eigentlich ganz klar:

Ich möchte…

  1. dass der Hund das Sozialverhalten mit Artgenossen kennt und lernt. Auch in Bezug auf Hundebegegnungen.
  2. dass er lernt, wie man sich vor fremden Menschen (vor allem Kinder und große Männer) gegenüber verhält
  3. dass ich als Bezugsperson und sichere Insel (Stichwort Bindung) von meinem Hund wahrgenommen werde. 
  4. dass ich lerne meinen Hund zu lesen und dies auch im Alltag anwenden kann.Sitz / Platz / Bleiben / Fuß ist beiläufiges Handwerk und kann ich im Notfall auch zuhause beibringen.

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Das muss ich als Hundebesitzer wissen:

  • Welpen lernen ausgesprochen schnell, wenn man ihr Interesse mit einem Leckerchen oder Spielzeug geweckt hat. 
  • Welpen sollte man nicht, nur weil sie schnell lernen, überfordern! Sie können sich nur kurze Zeitspannen konzentrieren. Und das Spielen mit anderen Welpen gehört zur Konzentration, das ist nämlich ziemlich anstrengend. 
  • Welpen lassen sich sehr schnell ablenken. Das ist vollkommen normal. Der Hundebesitzer sollte darauf aber auf keinen Fall genervt reagieren, sondern eher sich interessanter machen als der „neue“ Reiz der gerade ablenkt. 

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Rassespezifische Merkmale kennenlernen und wissen wie damit umzugehen ist.

Ein Hütehund wie ein Border Collie-Welpe wird wahrscheinlich irgendwann Hüteverhalten zeigen – wie z. B. bei Kindern oder anderen Hunden/Welpen. Bliss hatte beispielsweise echt Schwierigkeiten Ruhe zu finden. Eine Retriever Rasse wird vermutlich am liebsten mit seinem Spielzeug herumlaufen. Terrier werden eher körperbetont spielen. Manches Verhalten ist nicht weiter schlimm, anderes kann sich aber vielleicht noch in die „problematische“ Richtung entwickeln.

Wie reagiere ich als Hundebesitzer darauf? Ich habe schon oft sowas wie „das ist typisch für die Rasse“ gehört. In manchen Situationen sollte man sich aber meiner Meinung nach nicht darauf ausruhen, dies kann im Alltag irgendwann mal vielleicht zu einem Problem führen. 

Ich war wirklich froh, dass ich damals in der Welpenstunde rassespezifische Tipps erhalten habe. Beispielsweise wie kann ich Bliss beibringen sich zu entspannen? Wie kann ich sie auslasten ohne sie zu überfordern?

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Auch wenn es viele Merkmale gibt, die extra rausgezüchtet wurden, kann sich jeder Hundebesitzer merken – im Großen und Ganzen sind alle Hunde „gleich“ sie reagieren nur sensibler oder intensiver auf Situationen oder Reize.

Jeder Hund kann durch folgende Situationen Angst- oder Aggressionsverhalten zeigen 

  • Distanzunterschreitung
  • Schmerz
  • Stress
  • plötzlich auftretende Reize 
  • neue, intensive Reize
  • ein ungewohntes Umfeld
  • Anwesenheit von fremden Menschen oder Hunden
  • Ressourcen 
  • Berührung
  • Frustration

Die Reaktion ist komplett rasseunabhängig – der Unterschied ist lediglich die Intensität bzw. wie sensibel der Hund auf diese Situationen reagiert. Wenn aber ein Hund rassetypische Verhaltensweisen aufzeigt, sollte man darauf reagieren können und ggf. gegenlenken oder fördern. 

Welpenspielgruppen 

Spielen hilft sicherlich bei der Weiterentwicklung des Sozialverhaltens, Verfeinerung des Verhaltens zwischen Artgenossen und natürlich für den Aufbau des Selbstvertrauens in kommunikativer Hinsicht, nach der Trennung von Geschwister und Mutter. Aber bitte beachtet, dass nicht die Anzahl der Welpen mit dem der Hund spielen kann relevant für die Sozialisierung ist, sondern die Erfahrungen, welche er bei einzelnen Hunden macht.

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Erfahrung formt Verhalten, dessen Grundlagen genetisch bedingt sind. Nutzt die Welpenspielphasen nicht für Fragen von Alltagsproblemen sondern nutzt die Chance und beobachtet die Hunde beim Spielen. Hunde können sich je nach Umfeld anders Verhalten. Auf dem Hundeplatz verhalten sich auch später Hunde meist anders als im täglichen Umfeld. Nutzt diese Zeit um zu lernen, wie euer Hund kommuniziert, stärkt gutes Verhalten und genießt einfach das Schauspiel 🙂 

Die Spielphasen können zudem gut genutzt werden, um Begrüßungssituationen zu üben. Wenn die Welpen spielen, sollten immer wieder mal die Welpen zu den Besitzern geholt werden (ohne Schreckreiz, sondern zu sich locken, wenn der Welpe vorbeiflitzt). Dies hat den Vorteil, dass die Welpen die Aufmerksamkeit zwischendurch auf den Besitzer lenken können, und nach dem wieder frei lassen zum Spielen, wieder neue Begrüßungssituationen mit Hunden geschaffen werden. Dies kann das spätere Verhalten, auf andere Hunde zu treffen, im Alltag unterstützen.

Tipps:

  • Geht erst nach der Eingewöhnung im neuen Zuhausen eine Welpenschule. Die Eingewöhnung in ein neues zuhause ist schon stressig genug. Lasst euren Hund erst mal ankommen und geht dann gemeinsam zur Welpenstunde.
  • Welpengruppen sollten nicht zu groß sein.
  • Achtet auf die Kommunikation von eurem Hund zu anderen Hunden
  • Fragen zum Alltag sollten nach oder vor der Stunde an den Trainer gestellt werden. Und nicht, wenn die Hunde miteinander spielen.
  • Überfordert euren Hund nicht. Auch das Spielen mit anderen Welpen ist anstrengend und benötigt Konzentration.

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Denkt immer daran, weniger ist mehr. Dies gilt auch bei der Welpenerziehung 🙂

 

Liebe Grüße

Tine, Bliss & Vida

 

 

 

©DogSoulmate Christine Roth

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